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Ali (29)

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Wir können uns ruhig auf Deutsch unterhalten. Seit ich in Willich bin, gehe ich dreimal pro Woche zum Deutschkurs. Schnell die Sprache zu lernen, ist ganz wichtig für mich. Die A 1 – Prüfung habe ich schon bestanden. Für die Uni ist das Level C 1 Minimum. In Aleppo habe ich drei Jahre Wirtschaftsinformatik studiert. Das würde ich gerne hier abschließen. Nebenher habe ich als Konditor gearbeitet. Sowas wie Bafög gibt es in Syrien nicht, deshalb müssen fast alle Studenten dort arbeiten. Erstmal mache ich ab dem 1. Juli ich ein Praktikum bei einer Willicher Bäckerei. Außerdem spiele ich jeden Freitag Tischtennis in Willich im Sport- und Freizeitzentrum. Wir gründen gerade eine neue Mannschaft. Was da beim Fußballturnier unter den Flüchtlingsmannschaften passiert ist, tut mir so leid. Das ist einfach schade. Jeder hat doch Verantwortung.

Ich bin mit zwei Brüdern und zwei Schwestern zusammen nach Deutschland gekommen. Wir wohnen zusammen in einer Wohnung in Neersen. Mein jüngster Bruder ist 17. Er geht noch zur Schule, zur Gesamtschule in Willich. Mein Vater ist auch in Deutschland, aber er ist in Lippstadt gelandet. Mein anderer Bruder hat angefangen Chemie zu studieren, das möchte er weitermachen. Wir werden uns auch die EM-Spiele angucken, da fiebere ich mit für Deutschland und Frankreich.

Eine andere Schwester von mir ist in Syrien geblieben. Wir versuchen in Kontakt zu bleiben. Das ist nicht einfach. In Aleppo gibt es Internet nur stundenweise, und auch der Strom fällt die meiste Zeit aus. Bevor ich nach Deutschland geflohen bin, war ich zwei Jahre in Ägypten und ein Jahr in der Türkei. In Ägypten habe ich auch als Konditor gearbeitet und ein paar Monate als Schneider und als Buchhalter gejobbt.

Von der Türkei aus wollten wir legal ausreisen, aber wir haben fünf Monate vergeblich auf ein Visum gewartet. Mein Onkel ist seit 35 Jahren in Deutschland, er arbeitet als Arzt in Köln. Aber wir hatten keine Chance, legal herzukommen, wir konnten nur fliehen über Griechenland, Mazedonien, Serbien und Österreich. So sind wir dann zuerst nach Passau gekommen und am Ende in Neersen gelandet.