Autor: admin

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Mohammad (44)

Ich fahre mit dem Fahrrad bis nach Düsseldorf, Krefeld oder Viersen und fotografiere mit meinem Handy. Damit bearbeite ich die Bilder auch. Bäume, Landschaften, Natur, Wasser, manchmal auch Tiere. Ich mag vor allem besondere Stimmungen durch das Licht. Am 25. und 26. März stelle ich meine Bilder in Neersen im KUDL aus. Ein bisschen habe ich auch schon in Syrien fotografiert. Eigentlich komme ich aus dem Irak. Da war ich Baggerfahrer und habe mit Holz gearbeitet. Das würde ich gerne auch hier machen. Zuletzt habe ich mit meiner Familie in Damaskus gelebt. Meine Frau und die Kinder sind noch dort. Jetzt wohne ich im Flüchtlingsdorf in der Moltkestr. Seit knapp anderthalb Jahren bin ich hier und hoffe, dass meine Familie bald nachkommen kann.  

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Yaseen (47)

Bagdad ist gefährlich, vor allem bei Nacht. Da sind alle möglichen Kämpfer unterwegs, denen es hauptsächlich um Geld geht. Sie bedrohenen dich, und entweder du schließt dich ihnen an, oder du musst dein Haus verlassen und dich in Sicherheit bringen. Ich könnte niemandem Gewalt antun. Ich bin Künstler, kein Soldat. In Bagdad habe ich nachts nie geschlafen, aus Angst um meine Familie. Ich hatte einen kleinen Supermarkt und habe mein Haus verkauft, um fliehen zu können – mit meiner Frau und meinen vier Kindern. Die sind 15, 12, 7 und 3 Jahre alt. Den Kleinen habe ich die meiste Zeit auf den Schultern getragen. Alle anderen mussten laufen. Wir sind lange gelaufen, und meine Frau war sehr krank unterwegs. Aber wir haben es geschafft.Ich habe viele Freunde, die immer noch im Irak oder in Syrien sind, weil sie das Geld für die Flucht vor dem Krieg nicht aufbringen konnten. Auf dem Bild  links steht jedes Kreuz auf einer Tür für eine Familie, die ihr Haus verlassen hat. Der gefesselte Fuß in dem Bild rechts symbolisiert …

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Jafaar (36) und Taha (8)

Als ich jünger war, bin ich ausgewählt worden, für das Fußball-Nationalteam von Afghanistan zu spielen. Aber weil ich Hazara bin, durfte ich nicht. Die Hazara sind Schiiten. Die meisten in Afghanistan, auch die Taliban, sind Sunniten. Die sagen, die Hazara sind keine richtigen Muslime. Deshalb werden wir verfolgt. Sie sagen, wir müssen getötet werden. Meine Frau war Sunnitin. Mit einem Schiiten verheiratet zu sein, das war verboten. Deshalb wurde sie getötet und ich bin mit Taha geflohen. Wir waren einen Monat unterwegs. Zu Beginn sind wir sehr lange zu Fuß durch die Berge gewandert. Jeetzt sind wir seit elf Monaten hier. Ich gehe jede Woche von Montag bis Freitag ins AKF-Zentrum zum Deutschkurs. Am 12. Dezember habe ich meine A1-Prüfung in Mönchengladbach. Auf das Interview für meine Anerkennung als Flüchtling warte ich noch. Ich mache mir große Sorgen, dass wir nicht bleiben dürfen. In Afghanistan war ich Schneider. Ich habe Bezüge für Sofas genäht, aber auch Kleidung. Sehr gerne würde ich hier ein Praktikum oder eine Ausbildung machen oder als Schneider irgendwo arbeiten. Das kann …

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Waleed

Ich bin Künstler. Bevor der Krieg losging, habe ich an der Universität von Damaskus gelehrt. Mein großes Thema ist die Situation der Frauen. Im Islam und im ganzen Mittleren Osten. Hier kann ich Sachen zeigen, die dort undenkbar wären: Unverhüllte Frauen, nackte Haut, so wie auf diesem Bild hier. Die meisten Leute wollen einfach nur dekorative Bilder, aber mir geht es um die Botschaft. Frauen müssen unbedingt unterstützt werden. In Syrien dürfen sie gar nichts, niemand unterstützt sie. Überall werden sie unterdrückt, müssen sich verschleiern und in dunkle Gewänder hüllen. Sogar zu Hause in den Familien. Ich bin Kurde. Nach der Tradition kleiden sich die Frauen bei uns farbenfroh und tragen keinen Schleier vor dem Gesicht. Aber das ging alles nicht mehr. Wir konnten noch nicht mal mehr offen reden, erst recht nicht in unserer Sprache. Dafür riskiert man Gefängnis. Ich bin jeden Tag hier im offenen Atelier in der Bahnstr. Wenn ich nicht selber male, unterrichte ich hier auch.  Dafür ist das Projekt da. Jeder ist hier willkommen. Kinder, Erwachsene, egal. Wer kommen möchte, …

Wir sind Willich Juli16-10

Marianne Bieniek (84) mit Adelina (8) und Bakdeelet (9) (Teil 2 von 2)

Adelina: Wir kommen aus Kirgisien. Ich gehe in die 2. Klasse hier und habe viele Freundinnen in meiner Schule. Wir spielen immer in der OGS zusammen. Manchmal überrede ich auch meine Mutter, dass sie mit einer von den anderen Mamas einen Tee trinkt. Dann können wir in der Zwischenzeit auch noch ein bisschen spielen. Lucy kommt aus Düsseldorf und hat mir ganz viel Deutsch beigebracht, deshalb kann ich das jetzt schon so gut. Meine Freundin Lulu kommt aus Syrien. In der OGS mache ich eine Koch-AG und eine Zeichen-AG. Ich kann schon einen Frosch auswendig zeichnen! Gerade hatten wir an unserer Schule einen Sponsorenlauf. Da habe ich acht Runden geschafft. Das hat 29 Euro ergeben. Wir haben Geld gesammelt für einen Ausflug ins Irrland, für die Flüchtlingshilfe, für Pausenspielzeuge und dafür, dass die Linien auf unserem Fußballplatz mal wieder nachgemalt werden. Fotos: Patricia Schmitz                        

Wir sind Willich Juli16-8

Marianne Bieniek (84) mit Adelina (8) und Bakdeelet (9) (Teil 1 von 2)

Marianne: Jeden Montag, Dienstag und Mittwoch kommen Adelina und Bakdeelet zu uns nach Hause. Das ist für mich und meinen Mann ein großes Glück. Beide sind so aufgeweckt und an allem interessiert. Adelina ist sehr musikalisch. Wir haben beide am 20. Februar Geburtstag. Da habe ich ihr dieses Jahr eine Flöte geschenkt und eine Lehrerin vermittelt, die ich aus der Emmaus-Kantorei kenne. Seit Anfang April hat Adelina nun Unterricht. Wenn sie mit ihrem Bruder zu uns kommt, achte ich darauf, dass sie schön übt. Jeden Tag 15 Minuten. Donnerstags geht sie immer zum Kinderchor in der evangelischen Kirche, und freitags hat sie ihren Flötenunterricht in Schiefbahn. Da bringen wir sie immer hin. Letztes Jahr hat Adelina auch beim Musical der Emmaus-Gemeinde mitgemacht. Mein Mann, der im August 88 Jahre alt wird, erwartet die Kinder immer mit großer Begeisterung. Mit diesem “Geben und Nehmen” fühlen wir uns nützlich und gebraucht. Ich engagiere mich schon lange im AKF. Da habe ich auch Medina kennengelernt, die Mutter der beiden. Das war genau am 16. Oktober 2014. Das ist …

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Ali (29)

Wir können uns ruhig auf Deutsch unterhalten. Seit ich in Willich bin, gehe ich dreimal pro Woche zum Deutschkurs. Schnell die Sprache zu lernen, ist ganz wichtig für mich. Die A 1 – Prüfung habe ich schon bestanden. Für die Uni ist das Level C 1 Minimum. In Aleppo habe ich drei Jahre Wirtschaftsinformatik studiert. Das würde ich gerne hier abschließen. Nebenher habe ich als Konditor gearbeitet. Sowas wie Bafög gibt es in Syrien nicht, deshalb müssen fast alle Studenten dort arbeiten. Erstmal mache ich ab dem 1. Juli ich ein Praktikum bei einer Willicher Bäckerei. Außerdem spiele ich jeden Freitag Tischtennis in Willich im Sport- und Freizeitzentrum. Wir gründen gerade eine neue Mannschaft. Was da beim Fußballturnier unter den Flüchtlingsmannschaften passiert ist, tut mir so leid. Das ist einfach schade. Jeder hat doch Verantwortung. Ich bin mit zwei Brüdern und zwei Schwestern zusammen nach Deutschland gekommen. Wir wohnen zusammen in einer Wohnung in Neersen. Mein jüngster Bruder ist 17. Er geht noch zur Schule, zur Gesamtschule in Willich. Mein Vater ist auch in Deutschland, …

Sylvia u. Rakan

Sylvia und ihr Patenkind Rakan (5)

Erstmal war es purer Zufall, dass ich Patin von Rakan geworden bin. Ich war morgens im Pfarrbüro in Willich. Da waren auch Talal und Joumana und versuchten, auf Englisch etwas zu erklären. Ich sollte übersetzen. Dabei stellte sich raus, dass sie ihren Sohn taufen lassen wollten, und sie brauchten noch eine Patin. Erstmal war ich beeindruckt, dass die sich überhaupt alleine bis dorthin durchgeschlagen hatten. Schließlich waren sie noch ganz frisch in Willich, konnten kaum Deutsch, und konnten ja auch gar nicht wissen, wie das alles hier funktioniert. Die Sekretärin in unserer Gemeinde hat mich dann gefragt, ob ich das nicht machen will. Ich dachte mir „Warum nicht?“ Rakan ist genauso alt wie meine Enkelin. Aber erstmal mussten wir uns natürlich kennen lernen. Da hat es dann gepasst, und so bin ich Taufpatin geworden. Meine Enkelin und Rakan spielen öfters zusammen, und dann reden sie deutsch miteinander. Wir sehen uns regelmäßig. Die Familie ist sehr offen – die gehen z. B. auch öfter ins Krumm, wenn da abends Offener Treff ist. Oder mal in die …

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Joumana (40), Talal (46), Celine (15), Rakan (5) und Rita (27) (Teil 3 von 3)

Celine: Ich gehe in die Leonardo-da-Vinci-Schule und mache einmal die Woche Judo. Nach der Schule treffe ich mich mit Freundinnen, wir quatschen und gehen Eis essen. Ich liebe singen und tanzen und würde später gerne mal etwas mit Musik machen. Ich kann vier Sprachen: Arabisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Französisch kann ich fast so gut wie Arabisch, da rede ich einfach drauflos. Das habe ich in Syrien in der Schule gelernt. Als wir noch in Syrien waren, aber schon nicht mehr zu Hause, saßen wir an einem Abend auf einem Balkon. Plötzlich fielen Schüsse. Überall um uns herum. Da haben wir Angst bekommen und wussten: Wir müssen ganz weg von hier. Foto: Patricia Schmitz

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Joumana (40), Talal (46), Celine (15), Rakan (5) und Rita (27) (Teil 2 von 3)

Talal: Ich bin Maler und Künstler. In Syrien habe ich Objekte aus Dattelkernen gemacht. Das war meine Spezialität. Ich hatte eine besondere Technik, um die Kerne so vorzubereiten, dass sie haltbar waren. Was man dafür brauchte, reichte für eine kleine Chemiefabrik… Das kann ich hier natürlich nicht mehr machen.    Jetzt mache ich z. B. Kupferstiche und Collagen aus verschiedenen Materialien. Die Techniken habe ich mir selbst beigebracht. Ich war schon an zwei Ausstellungen beteiligt mit anderen syrischen Künstlern. Demnächst soll es noch eine Ausstellung geben. Wir haben hier in der Hülsdonkstaße einen Nachbarn, der hilft uns ganz viel, z. B. wenn wir zu Ämtern und Behörden müssen. Wir sind sehr glücklich hier. Fotos: Patricia Schmitz