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Yaseen (47)

Bagdad ist gefährlich, vor allem bei Nacht. Da sind alle möglichen Kämpfer unterwegs, denen es hauptsächlich um Geld geht. Sie bedrohenen dich, und entweder du schließt dich ihnen an, oder du musst dein Haus verlassen und dich in Sicherheit bringen. Ich könnte niemandem Gewalt antun. Ich bin Künstler, kein Soldat. In Bagdad habe ich nachts nie geschlafen, aus Angst um meine Familie. Ich hatte einen kleinen Supermarkt und habe mein Haus verkauft, um fliehen zu können – mit meiner Frau und meinen vier Kindern. Die sind 15, 12, 7 und 3 Jahre alt. Den Kleinen habe ich die meiste Zeit auf den Schultern getragen. Alle anderen mussten laufen. Wir sind lange gelaufen, und meine Frau war sehr krank unterwegs. Aber wir haben es geschafft.Ich habe viele Freunde, die immer noch im Irak oder in Syrien sind, weil sie das Geld für die Flucht vor dem Krieg nicht aufbringen konnten. Auf dem Bild  links steht jedes Kreuz auf einer Tür für eine Familie, die ihr Haus verlassen hat. Der gefesselte Fuß in dem Bild rechts symbolisiert …

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Waleed

Ich bin Künstler. Bevor der Krieg losging, habe ich an der Universität von Damaskus gelehrt. Mein großes Thema ist die Situation der Frauen. Im Islam und im ganzen Mittleren Osten. Hier kann ich Sachen zeigen, die dort undenkbar wären: Unverhüllte Frauen, nackte Haut, so wie auf diesem Bild hier. Die meisten Leute wollen einfach nur dekorative Bilder, aber mir geht es um die Botschaft. Frauen müssen unbedingt unterstützt werden. In Syrien dürfen sie gar nichts, niemand unterstützt sie. Überall werden sie unterdrückt, müssen sich verschleiern und in dunkle Gewänder hüllen. Sogar zu Hause in den Familien. Ich bin Kurde. Nach der Tradition kleiden sich die Frauen bei uns farbenfroh und tragen keinen Schleier vor dem Gesicht. Aber das ging alles nicht mehr. Wir konnten noch nicht mal mehr offen reden, erst recht nicht in unserer Sprache. Dafür riskiert man Gefängnis. Ich bin jeden Tag hier im offenen Atelier in der Bahnstr. Wenn ich nicht selber male, unterrichte ich hier auch.  Dafür ist das Projekt da. Jeder ist hier willkommen. Kinder, Erwachsene, egal. Wer kommen möchte, …

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Ali (29)

Wir können uns ruhig auf Deutsch unterhalten. Seit ich in Willich bin, gehe ich dreimal pro Woche zum Deutschkurs. Schnell die Sprache zu lernen, ist ganz wichtig für mich. Die A 1 – Prüfung habe ich schon bestanden. Für die Uni ist das Level C 1 Minimum. In Aleppo habe ich drei Jahre Wirtschaftsinformatik studiert. Das würde ich gerne hier abschließen. Nebenher habe ich als Konditor gearbeitet. Sowas wie Bafög gibt es in Syrien nicht, deshalb müssen fast alle Studenten dort arbeiten. Erstmal mache ich ab dem 1. Juli ich ein Praktikum bei einer Willicher Bäckerei. Außerdem spiele ich jeden Freitag Tischtennis in Willich im Sport- und Freizeitzentrum. Wir gründen gerade eine neue Mannschaft. Was da beim Fußballturnier unter den Flüchtlingsmannschaften passiert ist, tut mir so leid. Das ist einfach schade. Jeder hat doch Verantwortung. Ich bin mit zwei Brüdern und zwei Schwestern zusammen nach Deutschland gekommen. Wir wohnen zusammen in einer Wohnung in Neersen. Mein jüngster Bruder ist 17. Er geht noch zur Schule, zur Gesamtschule in Willich. Mein Vater ist auch in Deutschland, …

Altinaj

Alim (34), Altinaj (28), Amir (8), Adiar (2), Anisa (11 Monate) und Marina (Teil 2)

Altinaj: Ich arbeite als Zimmermädchen in einem kleinen Hotel in Willich. Amir geht in die Grundschule, in die 3. Klasse auf der Mühlenfeldschule. Guck mal, das ist sein Zeugnis. In Mathe ist er richtig gut. Alles was mit Sprache zu tun hat, ist natürlich schwierig. Adiar soll dieses Jahr in den Kindergarten gehen. Wenn ich arbeite, kümmert sich meine Nichte Marina um die Kleinen. Marina: In der Kochstraße gibt es eine Kleiderkammer. Da arbeite ich ehrenamtlich. Einen Tag in der Woche sortieren und falten wir die Sachen, und an einem anderen Tag ist Ausgabe. In den Zeiten nehmen wir auch Spenden entgegen: Immer Montag und Mittwoch von 17:30 Uhr bis 19:30 Uhr.