Alle Artikel in: Kontakte

img_5939-002

Jafaar (36) und Taha (8)

Als ich jünger war, bin ich ausgewählt worden, für das Fußball-Nationalteam von Afghanistan zu spielen. Aber weil ich Hazara bin, durfte ich nicht. Die Hazara sind Schiiten. Die meisten in Afghanistan, auch die Taliban, sind Sunniten. Die sagen, die Hazara sind keine richtigen Muslime. Deshalb werden wir verfolgt. Sie sagen, wir müssen getötet werden. Meine Frau war Sunnitin. Mit einem Schiiten verheiratet zu sein, das war verboten. Deshalb wurde sie getötet und ich bin mit Taha geflohen. Wir waren einen Monat unterwegs. Zu Beginn sind wir sehr lange zu Fuß durch die Berge gewandert. Jeetzt sind wir seit elf Monaten hier. Ich gehe jede Woche von Montag bis Freitag ins AKF-Zentrum zum Deutschkurs. Am 12. Dezember habe ich meine A1-Prüfung in Mönchengladbach. Auf das Interview für meine Anerkennung als Flüchtling warte ich noch. Ich mache mir große Sorgen, dass wir nicht bleiben dürfen. In Afghanistan war ich Schneider. Ich habe Bezüge für Sofas genäht, aber auch Kleidung. Sehr gerne würde ich hier ein Praktikum oder eine Ausbildung machen oder als Schneider irgendwo arbeiten. Das kann …

Waleed1

Waleed

Ich bin Künstler. Bevor der Krieg losging, habe ich an der Universität von Damaskus gelehrt. Mein großes Thema ist die Situation der Frauen. Im Islam und im ganzen Mittleren Osten. Hier kann ich Sachen zeigen, die dort undenkbar wären: Unverhüllte Frauen, nackte Haut, so wie auf diesem Bild hier. Die meisten Leute wollen einfach nur dekorative Bilder, aber mir geht es um die Botschaft. Frauen müssen unbedingt unterstützt werden. In Syrien dürfen sie gar nichts, niemand unterstützt sie. Überall werden sie unterdrückt, müssen sich verschleiern und in dunkle Gewänder hüllen. Sogar zu Hause in den Familien. Ich bin Kurde. Nach der Tradition kleiden sich die Frauen bei uns farbenfroh und tragen keinen Schleier vor dem Gesicht. Aber das ging alles nicht mehr. Wir konnten noch nicht mal mehr offen reden, erst recht nicht in unserer Sprache. Dafür riskiert man Gefängnis. Ich bin jeden Tag hier im offenen Atelier in der Bahnstr. Wenn ich nicht selber male, unterrichte ich hier auch.  Dafür ist das Projekt da. Jeder ist hier willkommen. Kinder, Erwachsene, egal. Wer kommen möchte, …

Wir sind Willich Juli16-10

Marianne Bieniek (84) mit Adelina (8) und Bakdeelet (9) (Teil 2 von 2)

Adelina: Wir kommen aus Kirgisien. Ich gehe in die 2. Klasse hier und habe viele Freundinnen in meiner Schule. Wir spielen immer in der OGS zusammen. Manchmal überrede ich auch meine Mutter, dass sie mit einer von den anderen Mamas einen Tee trinkt. Dann können wir in der Zwischenzeit auch noch ein bisschen spielen. Lucy kommt aus Düsseldorf und hat mir ganz viel Deutsch beigebracht, deshalb kann ich das jetzt schon so gut. Meine Freundin Lulu kommt aus Syrien. In der OGS mache ich eine Koch-AG und eine Zeichen-AG. Ich kann schon einen Frosch auswendig zeichnen! Gerade hatten wir an unserer Schule einen Sponsorenlauf. Da habe ich acht Runden geschafft. Das hat 29 Euro ergeben. Wir haben Geld gesammelt für einen Ausflug ins Irrland, für die Flüchtlingshilfe, für Pausenspielzeuge und dafür, dass die Linien auf unserem Fußballplatz mal wieder nachgemalt werden. Fotos: Patricia Schmitz                        

Wir sind Willich Juli16-8

Marianne Bieniek (84) mit Adelina (8) und Bakdeelet (9) (Teil 1 von 2)

Marianne: Jeden Montag, Dienstag und Mittwoch kommen Adelina und Bakdeelet zu uns nach Hause. Das ist für mich und meinen Mann ein großes Glück. Beide sind so aufgeweckt und an allem interessiert. Adelina ist sehr musikalisch. Wir haben beide am 20. Februar Geburtstag. Da habe ich ihr dieses Jahr eine Flöte geschenkt und eine Lehrerin vermittelt, die ich aus der Emmaus-Kantorei kenne. Seit Anfang April hat Adelina nun Unterricht. Wenn sie mit ihrem Bruder zu uns kommt, achte ich darauf, dass sie schön übt. Jeden Tag 15 Minuten. Donnerstags geht sie immer zum Kinderchor in der evangelischen Kirche, und freitags hat sie ihren Flötenunterricht in Schiefbahn. Da bringen wir sie immer hin. Letztes Jahr hat Adelina auch beim Musical der Emmaus-Gemeinde mitgemacht. Mein Mann, der im August 88 Jahre alt wird, erwartet die Kinder immer mit großer Begeisterung. Mit diesem “Geben und Nehmen” fühlen wir uns nützlich und gebraucht. Ich engagiere mich schon lange im AKF. Da habe ich auch Medina kennengelernt, die Mutter der beiden. Das war genau am 16. Oktober 2014. Das ist …

Sylvia u. Rakan

Sylvia und ihr Patenkind Rakan (5)

Erstmal war es purer Zufall, dass ich Patin von Rakan geworden bin. Ich war morgens im Pfarrbüro in Willich. Da waren auch Talal und Joumana und versuchten, auf Englisch etwas zu erklären. Ich sollte übersetzen. Dabei stellte sich raus, dass sie ihren Sohn taufen lassen wollten, und sie brauchten noch eine Patin. Erstmal war ich beeindruckt, dass die sich überhaupt alleine bis dorthin durchgeschlagen hatten. Schließlich waren sie noch ganz frisch in Willich, konnten kaum Deutsch, und konnten ja auch gar nicht wissen, wie das alles hier funktioniert. Die Sekretärin in unserer Gemeinde hat mich dann gefragt, ob ich das nicht machen will. Ich dachte mir „Warum nicht?“ Rakan ist genauso alt wie meine Enkelin. Aber erstmal mussten wir uns natürlich kennen lernen. Da hat es dann gepasst, und so bin ich Taufpatin geworden. Meine Enkelin und Rakan spielen öfters zusammen, und dann reden sie deutsch miteinander. Wir sehen uns regelmäßig. Die Familie ist sehr offen – die gehen z. B. auch öfter ins Krumm, wenn da abends Offener Treff ist. Oder mal in die …