Flüchtlinge, Kontakte

Jafaar (36) und Taha (8)

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Als ich jünger war, bin ich ausgewählt worden, für das Fußball-Nationalteam von Afghanistan zu spielen. Aber weil ich Hazara bin, durfte ich nicht. Die Hazara sind Schiiten. Die meisten in Afghanistan, auch die Taliban, sind Sunniten. Die sagen, die Hazara sind keine richtigen Muslime. Deshalb werden wir verfolgt. Sie sagen, wir müssen getötet werden. Meine Frau war Sunnitin. Mit einem Schiiten verheiratet zu sein, das war verboten. Deshalb wurde sie getötet und ich bin mit Taha geflohen. Wir waren einen Monat unterwegs. Zu Beginn sind wir sehr lange zu Fuß durch die Berge gewandert. Jeetzt sind wir seit elf Monaten hier. Ich gehe jede Woche von Montag bis Freitag ins AKF-Zentrum zum Deutschkurs. Am 12. Dezember habe ich meine A1-Prüfung in Mönchengladbach. Auf das Interview für meine Anerkennung als Flüchtling warte ich noch. Ich mache mir große Sorgen, dass wir nicht bleiben dürfen.

In Afghanistan war ich Schneider. Ich habe Bezüge für Sofas genäht, aber auch Kleidung. Sehr gerne würde ich hier ein Praktikum oder eine Ausbildung machen oder als Schneider irgendwo arbeiten. Das kann ich aber nur, wenn Taha in der Schule ist. Er geht zu einer Förderschule in Viersen, da fährt er jeden Tag mit dem Schulbus hin. Er braucht Logopädie, weil er bestimmte Laute nicht richtig aussprechen kann. Auch nicht in unserer Muttersprache Dari. Er versteht alles, aber er kann nicht gut sprechen. In Afghanistan gab es gar keine Schule für ihn. Es ist gut, dass er hier zur Schule gehen kann. Er spielt gerne Fußball und schießt ganz schön fest. Und er ist schnell. Wir kicken manchmal zusammen. Aber er hat keine Jungs in seinem Alter, mit denen er spielen kann. Ich würde auch gerne in einer Mannschaft spielen, aber ich bin natürlich nicht mehr so gut wie ich es früher mal war.  Gestern habe ich mit anderen Flüchtlingen bei einem Turnier in der Niershalle gespielt. Sieben Mannschaften waren dabei, und wir haben gewonnen.