Flüchtlinge

Obi, 18

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Ich bin Christ. An Weihnachten waren wir eingeladen, in die katholische Kirche hier in Neersen zu kommen. Da war ich auch kurz bei einer Familie und habe einen deutschen Jungen kennengelernt. Das hat mir gefallen. Der war auch ein paar Mal hier in der Niershalle, aber er hat nicht so viel Zeit. Ich würde gerne Fußball spielen mit anderen in meinem Alter.

Ich bin seit August in Deutschland. Ich musste weg aus Nigeria.Meine Mutter und meine Schwester leben dort noch. Mein Vater ist tot.

Unser Haus in Nigeria wurde von den Leuten von Boko Haram zerstört. Nicht nur unseres, die ganze Straße war weg. Alle Häuser. Es ist passiert, als mein Vater schlief. Ich konnte da nicht bleiben. Durch Niger bin ich  nach Libyen gekommen. Da war ein Mann, der hat gesagt, ich bringe euch nach Italien. 1000 Dinare habe ich ihm dafür gegeben.Wir waren mit 90 Leuten auf einem Boot. Es gab kein Essen und kein Trinkwasser. Am 4. Tag wurden wir gerettet.

Mein Vater war Anstreicher. Da bin ich manchmal mitgegangen. Fliesenlegen kann ich auch ein bisschen. Eigentlich will ich Rechtsanwalt werden. Aber wenn das nicht klappt, werde ich Handwerker. Erstmal will ich noch zur Schule gehen. Ich gehe an fünf Tagen in der Woche zum Deutschkurs in Willich.

Einmal hat eine Frau mir geholfen, als ich zur Polizei musste, weil ich mit dem falschen Ticket im Bus saß. Ich war nach Mönchengladbach gefahren. Ich wusste nicht, dass das mit dem Ticket nicht geht.

Ich wohne in der Niershalle. Wir schlafen mit sechs Leuten in einem Raum, in Stockbetten. Nachts kann man oft nicht schlafen. Manchmal rennen dann welche rum, und es ist laut. Aber ich bin froh, dass ich hier bin. Ich würde die beiden deutschen Jungen in meinem Alter, die ich hier kennen gelernt habe, gerne noch mal wieder treffen.